Unterrichtseinstiege

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Unterrichtseinstiege stellen den ersten Schritt, die Eröffnungsphase  des Geschichtsunterrichts dar. Sie führen die Lernenden an ein neues Unterrichtsthema heran, wobei es sich um den Beginn einer einzelnen Unterrichtsstunde oder einer neuen Unterrichtseinheit handeln kann.

Sie sind die „Hefe, die den angerührten Teig zum Aufgehen bringt“ (Hilbert Meyer: Unterrichtsmethoden I, Frankfurt a.M., 5 1992, S.122), sollen jedoch andererseits keine „didaktischen Kuckuckseier“ (Hoppenwörth) sein, die der reinen Animationsmotivation dienen, ohne eine echte didaktische Funktion für den Unterricht zu besitzen.

 

  Die didaktischen Funktionen des Einstiegs sind:

 

  1.  Einen Orientierungsrahmen für das zu behandelnde Thema zu verschaffen durch die Angabe von Planungsinhalten, Gestaltungselementen und Medienverwendung

  2. Eine Heranführung an die zentralen Aspekte des neuen Gegenstandes zu vermitteln, z.B. über die Problematisierung des Inhaltes

  3.  An das Vorwissen, Vorverständnis, Einstellungen und die Erfahrungswerte der Schüler anzuknüpfen.

  4. Das Interesse der Schüler zu wecken, zu motivieren.

  5. Die Lerngruppe zu disziplinieren.

 

Bei der Klassifizierung der unterschiedlichen Unterrichtseinstiege existieren in den fachdidaktischen und allgemeindidaktischen Darstellungen keine einheitlichen Einteilungsmuster ( Anknüpfung, Einstieg und Unterrichtseinstieg werden oft synonym verwendet). Einteilungen richten sich häufig nach den verwendeten Medien oder den gebrauchten Unterrichtsformen. Lipski unterscheidet zwischen dem indirekten und dem direkten Einstieg (S.399), wobei er unter direktem Einstieg ein Vorgehen versteht, das ohne stoffliche Rückgriffe den Unterrichtsgegenstand angeht, während beim indirekten Verfahren zum Stundenthema über Rückgriffe auf den Leistungs- und Wissensstand Stofffixierung und Leistungskontrolle vorgeschaltet werden.

 

Einstiegsmöglichkeiten nach Lipski (Stephan Lipski: Wider den stereotypen Unterrichtseinstieg, in: Geschichtsdidaktik 6 (1981), S. 397 - 407)

 

1. Konfrontation durch Bezug zur Gegenwart

2.   Provokation

3.   Stummes Anschreiben

4.   Arbeitsplanung

5.   Anknüpfen an außerschulische Erfahrungen

6.   Kontroverse Materialien

7.   Medieneinsatz

8.   Lehrererzählung

9.   Unvollständige Information

10. Erkundung und Befragung

11. Leitfrage zur Hypothesenbildung

12. Sachliche Vorbesprechung

 

Einstiegsmöglichkeiten nach Meyer (allgemeindidaktisch):

 

1.   Übende Wiederholung

2.   Hausaufgabenkontrolle

3.   Informierender Unterrichtseinstieg

4.   Interview

5.   Reportage

6.   Thematische Landkarte

7.   Comics, Cartoons, Karikaturen

8.   Lehrfilm

9.   Widerspruch konstruieren

10. Verrätseln

11. Verfremden

12. Provozieren

13. Bluffen und Täuschen

14. Vorkenntnisse abfragen

15. Karteikarten-Spiel

16. Themenzentrierte Selbstdarstellung

17. Vergleichen und Kontrastieren

18. Sortieren, Auswählen, Entscheiden

19. Programmvorschau

20. Vorwegnahme

21. Themenbörse

22. Schnupperstunde

 

 

 

Einstiegsmöglichkeiten nach Schneider:

(Gerhard Schneider: Gelungene Einstiege. Voraussetzungen für erfolgreiche Geschichtsstunden, Schwalbach/Taunus, 1999)

Schneider unternimmt den Versuch einer Kategorisierung nach verwendeten Medien und den Intentionen, die die Einstiege verfolgen; er verweist jedoch gleichsam auf die Überschneidungen und die Möglichkeit, identische Materialien mit vollkommen verschiedenen Intentionen zu verwenden.

 

  1.   Einstieg zur Festigung des Gelernten (Wiederholung und Üben):

a.   Schüler fragen Schüler: Lernen von Fragestellen und richtigem Antworten

b.   Kombination von Text und Bild : erlernte Personen, Daten, Fakten, Zusammenhänge  und Objekte müssen zu Beginn der Stunde einander zugeordnet werden

c.   Lückentexte: müssen vervollständigt werden

d.   Lügentexte: müssen korrigiert werden

e.   Wiederholungen: mündliches Unterrichtsgespräch unter Verwendung von Medien und differenzierten Leistungsniveaus

 2. Einstieg als Reflexion des Unterrichtsgeschehens

  Kontrolle des methodischen Repertoires und des Schülerverständnisses, Möglichkeit des Eingehens auf Schülerwünsche. Die stofflichen Lerninhalte stehen hierbei im Hintergrund.

 3.   Einstieg mit kontroversen Quellen

 4.   Einstieg mit diachronen Vergleichen

 5.   Einstieg mit synchronen Vergleichen

 6.   Die Provokation als Einstieg

 7.   Einstieg über Weckung der Neugier

 8.   Einstieg  über Konfrontation mit aktuellem Tagesereignis oder einem Alltagsphänomen

 9.   Nachwirken geschichtlicher Ereignisse als Einstieg

10. Einstieg über aktuelle Gesellschaftskontroversen

11. Einstieg über spektakulären Vorfall

12. Brainstorming

13. Spielerische Einstiege

14. Interview und Befragung (oral history) als Einstiegsformen

15. Phantasiereise (animierte Lehrerinnenerzählung)

16. Visuelles Feature

17. Einstiege über Demonstrationen und Experimente

18. „Zufallseinstiege

19. Außerschulische Erkundungen  (Aufsuchen von außerschulischen Lernorten)

20. Stadtrallye als Unterrichtseinstieg