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Eine kurze Geschichte der Karikatur - Die Karikatur in der Geschichte Der Begriff "caricatura" wurde im 16.Jahrhundert ursprünglich für die hyperbolischen Portraitmalereien der Gebrüder Agostino (1557-1609) und Annibale Carraci (1560-1600) verwendet. Karikaturähnliche Bildnis lassen sich jedoch schon bis in die Hochkultur Ägyptens zurückverfolgen, wo man Darstellungen von Tierwesen mit menschlichem Gebaren in den Wandmalerein fand. Die Verwendung der Karikatur als bewusstes Mittel der politischen Agitation und Kritik ist jedoch eine neuzeitliche Erscheinung, die ihren ersten Höhepunkt im 19.Jahrhundert erlebte als die drucktechnischen Entwicklungen durch die Verwendung der Lithographie einen Sprung nach vorne machten und eine verbesserte und umfangreichere Publikation ermöglichten. Erste politische Bedeutung erlangte das Genre der Publikation im Zuge der französischen Julirevolution im Jahre 1830 in der Auseinandersetzung des "Bürgerkönigs" Louis Philippe mit der Opposition. Nachdem sich die anfänglichen Versprechungen des Monarchen die Verfassung endlich durchzusetzen, bürgerliche Rechte zu festigen und zu garantieren als hohle Phrasen entpuppt hatten, wurde der König relativ schnell das Ziel harscher bürgerlicher Kritik, die in den Journalen ihre Publikationsorgane besaß. Am 2. August 1830 wurde die Zeitschrift "La Caricature" von Charles Philipon gegründet; in diesem Presseorgan erschienen Karikaturen der bekanntesten Karikaturisten der damaligen Zeit: Honoré Daumier Daumier, Granvolle, Raffet und Traviès. Charles Philipon gilt als der "Urvater" der Birnenkarikatur, die sich bis in die Gegenwart großer Beliebtheit zur Kritik und Diffamierung von Personen des öffentlichen Lebens erfreut. In "La Caricature" erschien eine Zeichnung, die vermutlich von Philipon stammte. Sie zeigt König Louis Philippe als Maurer, der an einer Hauswand in der "Rue du 29 Juillet",der Straße des 29.Juli, Wandinschriften übertüncht, überputzt (dupinage = Übertünchung). Aufgrund dieser Karikatur wurde Philipon als Herausgeber der Zeitschrift wegen Majestätsbeleidigung vor Gericht zitiert und zu einer Gefängnisstrafe von mehreren Monaten und einer Geldstrafe verurteilt. Im Verlaufe des Prozesses am 14.11.1832 entstanden im Zuge der Verteidigungsrede von Philipon vier Skizzen, die Ursprünge der Birnenkarikaturen. Philipons Argumentation zu seiner Verteidigung war diejenige, er habe nicht den König als Person dargestellt, sondern vielmehr ein Abbild der Regierung karikiert, darum könne man ihn auch nicht wegen der reinen Ähnlichkeit zu einer Person verurteilen. Im folgenden verfremdete er eine Portraitskizze des Monarchen in drei weiteren Strichzeichnungen so weit, dass auf der letzten Skizze eine stilisierte Birne (pokre) zu sehen war. Da das französische Wort pokre jedoch auch noch soviel wie "Dummkopf" oder "Hohlkopf" bedeutet, lag damit natürlich eine weitere Verspottung und Beleidigung Louis Philippes vor. In der Folgezeit gelangten die Birnenkarikaturen in Frankreich zu höchster Popularität, da kein Zeichner wegen der Darstellung einer Birne belangt werden konnte, jeder Betrachter aber sofort wusste, dass der König kritisiert wurde. Weil die Gerichte jedoch keine rechtliche Handhabe gegen die Karikaturisten hatten, wurden durch die französische Regierung zunächst die Pressegesetze verschärft und 1835 die Karikaturen verboten. Als Instrument der öffentlichen Kritik erlangte die Karikatur im Gebiet des Deutschen Bundes im Zuge der Revolution von 1848 Geltung. Über ihre Publikation in Zeitschriften oder als Flugblatt entwickelte sie sich zu einem wichtigen Medium der Anprangerung von Missständen in Wort und Bild. Die Voraussetzung für diese Popularität der Karikatur in Deutschland war jedoch die Aufhebung der Beschränkungen der Pressefreiheit als eine Ergebnis der Revolution gewesen. Eine Vielzahl satirischer Zeitschriften nach französischem Vorbild waren auf deutschsprachigem Gebiet entstanden: München: Fliegende Blätter, Leuchtkugeln, Münchner Punsch Stuttgart: Eulenspiegel Düsseldorf : Düsseldorfer Monatshefte Berlin: Kladderadatsch; Berliner Wespen; Berliner Charivari Leipzig: Reichsbremse Wien: Wiener Charivari. Auch später wurden in Deutschland noch bedeutende satirische Zeitschriften gegründet: Der linksbürgerliche "Simplissisimus" (1896) und sozialdemokratisch ausgerichtet "Der wahre Jacob" (1879), der seit 1884 kontinuierlich erschien.
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