Bearbeitungsmethoden

Rechte: M D&C

 


Home Nach oben

 

 

Welche  Bearbeitungstechniken werden in der didaktischen Literatur 

für den Umgang mit Karikaturen vorgeschlagen?

 

3-Stufenmodell nach Löch/ Görres (Loch, Werner / Görres, Karl: Politische Karikatur und ihr Einsatz im Unterricht, Limburg 1985)  

  1. Betrachten und Beschreiben der Bilddarstellung bis ins Detail
  2. Entschlüsselung der Bildsprache und Übertragung der Aussage auf die jeweilige historische Situation
  3. Erkennen und Darlegen der Intentionen des Künstlers/ Karikaturisten

Manfred Faust (Faust, Manfred: Politische Karikaturen im Geschichtsunterricht der Sekundarstufe I, in: Geschichte in Wissenschaft und Unterricht 31 (1980), S. 739 – 753)

  1. Erfassen und Erkennen der bildlichen Darstellung der Karikatur
  2. Erkennen und Entschlüsseln der in der Karikatur verwendeten Symbole
  3. Übertragung des Dargestellten auf die politisch-soziale Situation, auf die sich die Karikatur bezieht
  4. Erfassen der Aussage der Karikatur, Erkennen der aufgezeigten Widersprüche, der Kritik, der Intention des Autors

Herbert  Uppenthal (Uppenthal, Herbert: Die Karikatur im historisch- politischen Unterricht, Freiburg 1978)

  1. Präsentation und Betrachtung
  2. Analyse ( Spontane, unstrukturierte Äußerungen werden durch Leitfragen in ein strukturiertes Gespräch überführt und durch ein Tafelbild fixiert)
  3. Synthese

 

 

 

Ein Raster zur Analyse von Karikaturen 

(zur Vorbereitung und für die Arbeit im Unterricht)

 

Die Liste beschreibt, welche Elemente bei der Analyse prinzipiell zu beachten sind. Die einzelnen Schritte können in der Abfolge ihrer Behandlung in Abhängigkeit von Komplexität und Schwierigkeitsgrad der Karikatur variiert werden.

 

 

1. Beschreibung der Bildelemente und Textelemente ( kann beliebig ergänzt oder verkürzt werden) 

Personen Reale Personen, Typen oder Kombinationen?

Um welche Personen, Typen handelt es sich?

Erscheinungsbild Wie sind die Person/ Personen dargestellt im Hinblick auf:
Größe- und Größenverhältnisse
Gesamtkörper oder Teile desselben
das Erscheinungsbild (Alter tatsächliches oder verfremdetes Aussehen, überzeichnet, verzerrt, das Verhalten der Figur, überdimensioniert, dick, dünn, wirkt sie bedrohlich, hilflos u.a.)
Mimik (wirken sie bedrohlich, lustig, verzweifelt, lächerlich, komisch, erst, verdutzt, erschrocken  etc)
Gestik (steht sie in Relation zur Mimik? welche Art von Gesten ist vorhanden, z.B. die zum Schwur erhobene Hand)
Kleidung ( Art der Kleidung, Funktion der Kleidung, Zustand der Kleidung, Angemessenheit der Kleidung etc.
Interaktion mit anderen Personen oder Gegenständen
Redeanteile im Textteil

 

Gegenstände
Welche Gegenstände oder Tiere sind vorhanden?
Zustand der Gegenstände (Vordergrund. Hintergrund, werden sie benutzt, haben sie ein Eigenleben, Aussehen, Funktion,  Beschriftung)
hat der Gegenstand im übertragenen Sinn eine andere Bedeutung?
Wofür steht der Gegenstand (Symbol)?
Ist er reines Gestaltungselement?
Welche Art von Tieren ist zu sehen, welche Eigenschaften spricht man ihnen zu?
Textelemente
Ist ein Text vorhanden?
Ist dies der ursprüngliche Text, sind Textelemente entfernt oder hinzugefügt worden?
Liegt er in der Originalsprache oder übersetzt vor?
Ist die Übersetzung korrekt?
Welche Funktion hat der Text?
In welchem Verhältnis steht der Text zu den Bildelementen?

 

2.Entschlüsselung der Karikatur: Abklärung der historischen Situation und Übertragung der Aussage auf die konkreten historischen Hintergründe

Urheber/ Erscheinungsort
Wer ist der Zeichner der Karikatur?
Welcher politischen Richtung oder Partei gehört er an?
In wessen Auftrag ist die Karikatur entstanden?
Aus welchem Land stammt er?
Wo und wie ist die Karikatur erschienen (Ort, Land, Zeitung, Zeitschrift,  Flugblatt) ?
An welchen Adressaten-, Leserkreis ist sie gerichtet?
Ist etwas bekannt über Verbreitungs- und Bekanntheitsgrad der Karikatur?
Historische Situation
genauer Zeitpunkt der Entstehung der Karikatur
konkreter Anlass zur Entstehung der Karikatur
Wird  auf eine reale Situation Bezug genommen (z.B. eine Rede, ein Gesetz)?
Auf welche historischen Hintergrundinformationen wird Bezug genommen? ( z.B. außenpolitische Strategien)
Werden unterschiedliche Zeitebenen verwendet und in Relation gesetzt?
Welche Kenntnisse und Informationen besitzen wir zu diesen Ereignissen.
Wird eine Zukunftsprojektion entworfen (z.B. wie werden Maßnahmen wirken, Zukunftsvorstellungen)?
Entspricht die Darstellung den historischen Tatsachen (verfremdet der Zeichner die realen Ereignisse)?
Welche historischen oder literarischen Bezüge werden hergestellt?
Welches Problem wird dargestellt?
Verwendete Stilmittel
Welche Stilmittel werden verwendet
Welche Wirkung haben sie?

 

 

3. Intention des Künstlers und Gesamtbewertung der Karikatur

Intention
Wen oder was greift der Zeichner an?
Welche Absichten verfolgt er mit seiner Karikatur?
Für wen ergreift er/sie Partei?
Bewertung
Schätzt der Karikaturist die historische Situation richtig ein?
Welche potentielle  Wirkung hat die Karikatur auf den Betrachter?

 

 

 

 

Vorschläge für die Arbeit mit Karikaturen im Unterricht:

 

Bildbetrachtung

 

Sie steht am Beginn der Arbeit mit der visuellen Quelle, kann jedoch methodisch variiert werden.

 

Die traditionelle Methode

Den Schülern wird eine Kopie der ausgewählten Karikatur vorgelegt. Man kann zunächst im Brainstorming spontan Eindrücke sammeln und sie am besten an der Tafel oder durch den Folienschreiber sichtbar fixieren oder durch gezielte Arbeitsaufträge oder Leitfragen die Wahrnehmung und Bearbeitung steuern.

Die Puzzlemethode

Die Karikatur wird in verschiedene Teile zerschnitten, die Schüler müssen zunächst das Bild zusammensetzen, um einen Eindruck von der Gesamtkarikatur zu erhalten. Der Lernende wird angehalten, die Teile sorgfältig zu betrachten,  die Aufmerksamkeit wird auf jeden Fall auf die Karikatur gelenkt, da er sie ansonsten nicht zusammen setzen kann. Beim Auseinanderschneiden kann eventuell bereits darauf geachtet werden, dass wesentliche Bildelemente die einzelnen Puzzleteile ausmachen.

Die Lehrperson sollte nach Möglichkeit einen Overheadprojektor benutzen, auf dem während der anschließenden Analysephase die Karikatur aufgelegt wird, da den Schülern die Puzzleteile  verrutschen können.

Als Hausaufgabe müssen die Schüler die Karikatur zusammengesetzt ins Heft einkleben, dies ist zugleich eine Form der Wiederholung.

Beispiel:

 

"Wat heulst'n kleener Hampelmann?" -"Ick habe Ihr'n Kleenen 'ne Krone jeschnitzt, nu will er se nich!" Lithographie von Friedrich Schröder 3.4.1849

 

Die Feldermethode ( oder Hot-Spots-Methode beim computergestützten Unterricht)

Voraussetzung ist die Verwendung eines Overhead-Projektors. Diese Methode eignet sich bei sehr komplexen detailreichen Karikaturen. Zentrale Karikaturelemente werden auf der vom Unterrichtenden verwendeten Folie  markiert, z.B. eingekreist oder numeriert. Den Schülern liegt ein normale Kopie der Karikatur vor, die sie während des Erarbeitungsprozesses mit der Folie vergleichen können.

Diese Methode ermöglicht es die Aussagefelder der Karikatur festzustellen, sie einzeln in ihrer semiotischen Bedeutung schrittweise zu erschließen, sie in Relation zu setzen und zu deuten; De Unterrichtspersonen kann die Wahrnehmungsprozesse stärker steuern. Außerdem wird das Navigieren innerhalb der Karikatur für die Schüler erleichtert, da sie jederzeit am Projektor die Bezugsstellen des derzeitigen Analyseschritts nachvollziehen können.

Diese Methode kann auch variiert werden bei einer Unterrichtsreihe, in der Computer verwendet werden (Bsp. zu einer Einführung in die Karikaturanalyse); innerhalb der Karikatur können Hotspots (Markierungsfelder) gesetzt werden, die bei einem Anklicken ein Erläuterungsfeld öffnen.

Eine Anleitung zum Erstellen dieser hot spots und praxiserprobte Unterrichtsreihen gibt es hier:

http://www.lsg.musin.de/Geschichte/Modell1/Hotspots_setzen.htm

http://www.lsg.musin.de/Geschichte/isb/bsp/beispiele.htm

 

Beispiel:

 

 

Die Overlay-Technik

Voraussetzung ist die Nutzung eines OH-Projektors. Diese ist Methode ist in der Vorbereitung arbeitsintensiv.

Die Originalkarikatur wird dabei in mehrere Schichten ( mehrere Folien) zerlegt, in denen die gesamten Bildelemente der Karikatur nach und nach aufgedeckt werden. Dadurch ist es möglich, die einzelnen Karikaturbestandteile schrittweise  zu betrachten und zu verdeutlichen, dass auch kleinste Details von immanenter  Bedeutung für die Interpretation der Karikatur sein können. Diese Methode erlaubt es auch , wesentliche Elemente der Karikaturbeschreibung herauszuarbeiten (z.B. Gestik, Mimik und Gesamtaussehen von Personen  im Hinblick auf Kleidung , Größendarstellungen, Verfremdungstechniken, Verzerrungen etc.).

Die Methode ist wegen des hohen Arbeitsaufwandes insbesondere für eine systematische Einführung in die Arbeit mit Karikaturen geeignet, weniger für einen einzelnen Lernschritt innerhalb einer regulären Unterrichtstunde.

 

 

© Christine Stutz